Invasive Neophyten – Gemeinde ersucht um Mithilfe und Meldung

Die Ausbreitung invasiver Neophyten stellt Gemeinden vor wachsende ökologische, gesundheitliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Die KLAR! Göllersbach und der Wasserverband Göllersbach gehen dieses Problem nun an und suchen Hilfe in der Bevölkerung. Das Bestimmen von Pflanzen ist mittlerweile mit zahlreichen Apps möglich – etwa der App Flora incognita.

Definition und Einordnung

Als Neophyten werden Pflanzenarten bezeichnet, die nach 1492 durch menschlichen Einfluss in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Nur ein kleiner Anteil dieser Arten wird als invasiv eingestuft, diese können aber zu weitreichenden Problemen führen.

Invasiv sind jene Arten, die sich stark ausbreiten, stabile Populationen bilden und dabei:

  • heimische Arten verdrängen,
  • Lebensräume strukturell verändern,
  • ökologische Prozesse beeinflussen oder
  • wirtschaftliche bzw. gesundheitliche Schäden verursachen.

Entscheidend für ihre Konkurrenzkraft sind häufig schnelles Wachstum, hohe Samenproduktion, vegetative Vermehrung (Rhizome, Wurzelausläufer) sowie das Fehlen natürlicher Gegenspieler.

Präventivmaßnahmen haben Vorrang!

Die effektivste Maßnahme bleibt die Verhinderung der Etablierung von invasiven Pflanzen:

  • Keine invasive Arten neu pflanzen. Viele heute als invasiv geltende Pflanzen wurden ursprünglich als Nutz- oder Zierpflanzen für Parks und Gärten eingeführt. Listen von invasiven Arten finden Sie in den Quellen am Ende der Seite.
  • Gartenabfälle nicht in der Landschaft, sondern ordnungsgemäß entsorgen. Auch beim Transport der Pflanzen auf geeignete Verpackung/ Sicherung achten.
  • Invasive Neophyten werden oft mit Erdmaterial verschleppt. Daher ist bei Erdbewegungen auf mögliche Verunreinigung durch Samen oder andere Pflanzenteile von invasiven Neophyten zu achten.
  • Baumaschinen oder Gerätschaften, Reifen, Kleidung und Schuhe nach Bekämpfungsmaßnahmen sorgfältig reinigen.
  • Frühzeitige Meldung neuer Vorkommen an die Gemeinde.

Gemeinde ersucht um Meldung

Die Gemeinde ersucht um Meldung, wenn eine invasive Art auf öffentlichem Grund gefunden wird. Dies kann in Hollabrunn einfach über die Melde-App der Stadtgemeinde geschehen, dort einfach Neophyten (Gebietsfremde Pflanzenart) auswählen und den Standort angeben. Für Göllersdorf entsprechend bitte beim Gemeindeamt melden. Vielen herzlichen Dank für Ihre Mithilfe!

Da die Gemeinden nur auf ihren eigenen Flächen Maßnahmen treffen können, ist es wichtig, dass alle Grundeigentümer und Gartenbesitzer ein Auge auf deren Vorkommen und Vermehrung haben, um die weitere Verbreitung von invasiven Neophyten einzudämmen.

Förderung heimischer Arten

Heimische Pflanzenarten sind an Standort, Klima und lokale Nahrungsnetze angepasst. Sie bieten spezialisierten Insekten, Bestäubern und Vögeln Lebensraum und Nahrung.

Durch die gezielte Pflanzung regionaltypischer, heimischer Gehölze, Wildstauden und artenreicher Wiesenflächen können Privatgärten zu wichtigen Trittsteinbiotopen werden.

Eine Auswahl an Problemarten unserer Region

Staudenknöterich (Fallopia japonica und Fallopia sachalinensis)

Weitere Infos zur Pflanze und Managementmaßnahmen unter https://www.oewav.at/

Biologie und Problematik:
Der Staudenknöterich ist eine ausdauernde, mehrjährige Pflanze und bildet bis zu 3 m hohe, dichte Bestände. Die unterirdischen Rhizome können mehrere Meter tief und weit reichen. Blütezeit mit kleinen weißen Blüten von Juli bis Oktober. Verbreitung über Wurzel- oder Stängelteile, die durch Hochwasser, Erdbewegungen, Gartenabfälle etc. vertragen werden und über reife Samen. Bereits wenige Gramm Pflanzenmaterial genügen zur Neubildung einer Pflanze, daher ist bei der Bekämpfung besondere Vorsicht geboten um eine Verbreitung zu verhindern. Aufgrund der starken Regenerationskraft ist eine Bekämpfung langwierig und aufwändig. Beschattung durch Konkurrenzpflanzen unterstützt die Schwächung.

Kermesbeere (Phytolacca americana, Phytolacca acinosa)

Weitere Infos zur Pflanze und Managementmaßnahmen unter https://www.oewav.at/

Biologie und Problematik:
Ausdauernde, weiß blühende, krautige Pflanze wächst bis zu 3 m Höhe mit hängenden bzw. aufrechten Blüten- und Fruchtständen (dunkelrote bis schwarze Beeren). Mehrjährige, giftige Art mit starker Samenverbreitung durch Vögel, Ausbildung einer Pfahlwurzel. Bei der Entfernung Schutzkleidung tragen und Fruchtstände sorgfältig einsammeln!

Stechapfel (Datura stramonium)

Weitere Infos zur Pflanze und Managementmaßnahmen unter https://www.ages.at/

Biologie und Problematik:
Einjährige, stark giftige Ruderalpflanze – enthält Tropanalkaloide, gefährlich für Kinder, Haustiere und Nutztiere. Die Art zeichnet sich durch eine große Variabilität im Aussehen aus. Je nach Nährstoff-, Wasser- und Konkurrenzverhältnissen kann die Wuchshöhe zum Zeitpunkt der Samenreife von wenigen Zentimetern bis mehr als 150 cm variieren. Die Trompetenblüten stehen aufrecht in den Astgabeln. Aus ihnen bildet sich eine charakteristische dicht bestachelte, walnussgroße Kapsel, in der sich tiefbraune bis schwarzen Samen befinden. Bei der Entfernung Schutzkleidung tragen und Fruchtstände sorgfältig einsammeln!

Ragweed (Beifuß-Traubenkraut, Ambrosia)

Weitere Infos zur Pflanze und Managementmaßnahmen unter https://www.oewav.at/

Biologie und Problematik:

Einjährige Art mit stark allergenem Pollen, bis 3 m hoch, mit stark zerteilten Blättern. Stängel rötlich und behaart, traubenförmige Blütenstände mit winzigen gelbgrünen Blüten. Verbreitung über bis zu mehreren zehntausend Samen, bleiben jahrzehntelang keimfähig. Massenbestände vor allem
in bestimmten landwirtschaftlichen Kulturen und entlang des Verkehrswegenetzes. Bei der Entfernung Schutzkleidung tragen und bei blühenden Pflanzen auch Atemschutz!

Kanadische und Riesen- Goldrute (Solidago canadensis, Solidago gigantea)

Biologie und Problematik:

Mehrjährige gelbblühende, bis zu 2,5 m hohe Stauden mit starker vegetativer Ausbreitung über unterirdische Ausläufer und Fernausbreitung der Samen durch den Wind. Oft als Zierpflanze in Gärten vorhanden.

Weitere Infos zur Pflanze und Managementmaßnahmen unter https://www.oewav.at/

Götterbaum (Ailanthus altissima)

Biologie und Problematik:

Großer, bis zu 30 m hoher, raschwüchsiger (3 m pro Jahr) und sehr robuster Baum, gefiederte Blätter, Blütezeit Juni bis August. Rötliche Fruchtstände mit zahlreichen flugfähigen Flügelnüssen. Verbreitung der Samen über Wind, Vermehrung über Stockausschläge oder Wurzelsprosse. Reine Fällung führt zu massiven Stockausschlag – kontrolliertes Ringeln notwendig! Pflanzensaft ist giftig, kann Hautreizungen auslösen. Pollen können allergische Reaktionen hervorrufen.

Weitere Infos zur Pflanze und Managementmaßnahmen unter https://www.oewav.at/

Essigbaum (Rhus typhina, syn. hirta)

Biologie und Problematik:

Anspruchsloser Baum oder Strauch, ca. 3 – 4 m hoch. Bildung zahlreicher Jungtriebe aus flachwachsenden Wurzeln, zum Teil bis über zehn Meter vom Stamm entfernt. Borke älterer Stämme grau und rissig. Rote Samenkolben bilden reichlich Saatgut. Samenverbreitung durch Vögel. Alle Teile schwach giftig, Saft kann Hautreizungen hervorrufen. Reine Fällung führt zu massiven Stockausschlag – kontrolliertes Ringeln notwendig!

Weitere Infos zur Pflanze und Managementmaßnahmen unter https://www.oewav.at/